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„JRS-Direktor Ostafrika: „Afrika braucht gerechte Handelsbeziehungen“
 
PRESSEMITTEILUNG – Mit der Bitte um Veröffentlichung

Der Regionaldirektor des Jesuit Refugee Service in Ostafrika, Pater Endashaw Debrework SJ, erhofft sich von der deutschen Regierung eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft in den afrikanischen Staaten. „Bei Vereinbarungen mit autoritären Staaten muss gewährleistet sein, dass sie nicht zu mehr Unterdrückung führen“, sagte der Jesuit heute in Berlin. Während seines Deutschlandbesuchs zeigte er sich vom enormen ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlinge überrascht und beeindruckt.

„Nach dem Herbst 2015, als Deutschland in einer weltweit beachteten humanitären Geste viele Flüchtlinge aufgenommen hat, hat die europäische Politik ein geradezu panisches Signal gesendet: ‚Wir wollen hier keine weiteren Flüchtlinge‘“, sagte Pater Endashaw Debrework SJ. In den Gesprächen mit der Zivilgesellschaft sei ihm bewusst geworden, wie stark das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist: „Sechs Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren: Das ist eine gewaltige Zahl! Sie erstaunt mich auch deshalb, weil diese Menschen der Politik ihrer Regierung widersprechen. Sie zeigen, dass es nach wie vor eine große Bereitschaft gibt, Flüchtlinge willkommen zu heißen.“

Dass die deutsche Regierung einen Fokus auf Afrika setzt, begrüßte der äthiopische Jesuit, der für Projekte des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in sieben ostafrikanischen Staaten verantwortlich ist. „Der Dialog darf nicht nur mit den regierenden Eliten geführt werden, sondern muss die Zivilgesellschaft teilhaben lassen. Nichtstaatliche Akteure früh einzubeziehen ist zudem die beste Garantie dafür, dass die Projekte erfolgreich sein können.“ Mit Blick auf Staaten, aus denen derzeit viele Menschen flüchten müssen, sagte Pater Endashaw Debrework SJ: „Es ist sinnvoll, selbst mit repressiven Staaten im Gespräch zu bleiben. Aber wenn Deutschland mit Ländern wie Eritrea und Sudan verhandelt, muss es sicherstellen, dass dies nicht zu Menschenrechtsverletzungen führt. Intransparente Migrationsabkommen und die Zusammenarbeit mit Polizei und Grenzschutz in autoritären Staaten können zum Instrument der Unterdrückung werden.“

Seit 2015 versuche Europa geradezu panisch, Flucht und Migration aus Afrika zu unterbinden. Dabei gerate teilweise aus dem Blick, dass der größte Teil der afrikanischen Flüchtlinge in benachbarten Staaten aufgenommen wird, und zwar über 4 Millionen Flüchtlinge und etwa 7 Millionen Binnenvertriebene allein in Ostafrika. „Jahrzehntelang haben afrikanische Länder Millionen Menschen auf der Flucht aufgenommen und ihre Ressourcen mit ihnen geteilt. Aber jetzt zeigen viele auf die europäische Abwehrpolitik und sagen: Wir können nicht mehr.“ Pater Endashaw Debrework verwies darauf, dass Europa in Projekte investiert, die die Migration innerhalb Afrikas unterbinden sollen, während internationale Flüchtlingsprogramme für wichtige Aufnahmeländer wie Kenia und Uganda dramatisch unterfinanziert sind. „Die Probleme Afrikas können nicht in Europa gelöst werden, wir müssen sie in Afrika lösen. Doch dafür brauchen wir die Solidarität der internationalen Gemeinschaft. Wenn Flüchtlinge Sicherheit und Lebensperspektiven in den afrikanischen Aufnahmeländern finden, dann sind sie nicht gezwungen, ihren Weg fortzusetzen.“

Ein anderer Punkt ist dem Jesuiten aber noch wichtiger: „Was Afrika wirklich braucht, sind gerechte Handelsbeziehungen. Europa sollte seine Märkte bedingungslos für afrikanische Staaten öffnen. Das wäre außerdem die wirksamste Methode, um Migration nach Europa zu verringern.“

Der Regionaldirektor des Jesuit Refugee Service in Ostafrika, Pater Endashaw Debrework SJ, ist für die Projekte des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Äthiopien, Eritrea, Kenia, Sudan, Südsudan, Tansania und Uganda verantwortlich. Viele dieser Projekte sind auf Bildung und praktische Ausbildung ausgerichtet, von der Grundschule über Kompetenzen zur Sicherung des Lebensunterhalts bis hin zur Online-Universität in Flüchtlingslagern in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Jesuiten-Hochschulen. An den Projekten des JRS Ostafrika haben im vergangenen Jahr mehr als 90.000 Menschen teilgenommen.

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet. Heute ist er als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern aktiv. In Deutschland ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für Asylsuchende, Abschiebungsgefangene und Flüchtlinge im Kirchenasyl tätig und setzt sich für Geduldete und Menschen ohne Aufenthaltsstatus („Papierlose“) ein. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

Dr. Dorothee Haßkamp
Öffentlichkeitsarbeit
Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland
Jesuit Refugee Service (JRS)
Witzlebenstr. 30a
D-14057 Berlin
Tel.: +49-30-32 60 25 90
Fax: +49-30-32 60 25 92

Spendenkonto: IBAN DE05370601936000401020
BIC: GENO DED1 PAX „

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