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Liga-Presseerklärung vom 15. November 2016

Festakt zur Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaillen 2016

an SOS Méditerranée e.V. und den Dokumentarfotografen Kai Wiedenhöfer

Sonntag, 4. Dez. 2016, 11:00 Uhr, in der Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Str. 65, 10961 Berlin

Auszeichnung für Aufklärer und Lebensretter:
Geflüchtete brauchen menschenrechtlichen Schutz und Hilfe

Die Internationale Liga für Menschenrechte e.V. verleiht in diesem Jahr die Carl-von-Ossietzky-Medaillen 2016 an:

SOS Méditerranée e.V., zivile Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer und an den Dokumentarfotografen Kai Wiedenhöfer (Berlin)

für ihre Zivilcourage und ihren tatkräftigen Einsatz für die Verwirklichung der Menschenrechte sowie für die Aufklärung über Ursachen von Flucht und Migration.
Weitere Angaben zu den Auszuzeichnenden finden sich im Anhang dieser Mitteilung, außerdem das Programm der Verleihungsfeier.

Die Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille geht traditionellerweise einher mit men­schen­rechtli­chen Beiträgen und Interventionen von engagierten Experten und Aktivisten, die dieses Mal über Krieg, Terror und Flucht sowie über Abschottungspolitik und den Umgang mit Geflüchteten sprechen werden:

Percy MacLean, ehemaliger Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht und Gründungsdirektor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, wird die Einführungsrede zum Thema „Rechte verletzt und Menschenwürde angetastet“ halten und Einblicke in den „bürokratischen Umgang mit Geflüchteten vor Krieg und Verfolgung“ liefern.

Kapitän Stefan Schmidt, Flüchtlingsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein und ebenfalls Medaillenträger, wird die Laudatio auf SOS Méditerranée halten. Als Kapitän der Cap Anamur rettete er 2004 selbst 37 Personen auf ihrem Fluchtweg von Afrika nach Europa im Mittelmeer, wo sie in akute Seenot geraten waren; für diese Lebensrettung wurde er vor einem italienischen Gericht wegen Schleusung bzw. Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt und erst 2009 freigesprochen.

Der Verleger Gerhard Steidl, Inhaber des gleichnamigen Verlags in Göttingen, wird die Laudatio auf den Dokumentarfotografen Kai Wiedenhöfer halten, mit dessen fotografischem und aufklärerischem Werk er sich eingehend auseinandersetzte und das er auch verlegt hat – so etwa seine beeindruckenden Fotos von Grenz- und Separationsmauern weltweit sowie vom Krieg in Syrien und von dessen Opfern.

Die Antwortrede für SOS Méditerranée e.V. wird dessen Gründer und Präsident, Kapitän Dr. Klaus Vogel, halten und dabei über die immensen Herausforderungen der zivilen Seenot-Rettung im Mittelmeer berichten und darüber, wie die Abschottungspolitik der EU zu lebensbedrohlichen Situationen und zu Abertausenden von Toten führt.

Dr. Rolf Gössner, Publizist und Vorstandsmitglied der Liga, wird die Verleihungsfeier mit einer Rede zu Terror- und Fluchtursachen eröffnen und durch die Veranstaltung führen.

Die Verleihungsfeier findet in diesem Jahr erstmals in der traditionsreichen Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg statt, die sich stark in der Obdachlosen-, Armen- und Flüchtlingshilfe engagiert und in deren Räumen zahlreiche Veranstaltungen zu Menschenrechtsthemen stattfinden. www.akanthus.de/de/heilig-kreuz-kirche

Die Carl-von-Ossietzky-Medaillenträger 2016

Angesichts der dramatischen Zunahme von fluchtbedingten Seenotfällen im Mittelmeer gründete Kapitän Klaus Vogel gemeinsam mit engagierten Bürger_innen und Hilfsorganisationen im Jahr 2015 den europäischen Verein SOS Méditerranée zur Rettung Schiffsbrüchiger (www.sosmediterranee.org). SOS Mediterranee setzt sich für alle Menschen in Seenot ein, ohne Ansehen ihrer Nationalität, Herkunft, sozialen, religiösen, politischen oder ethnischen Zugehörigkeit. Sie ist eine humanitäre Initiative, die der Achtung der Menschenwürde und des menschlichen Lebens verpflichtet ist.

Mit ihrem Schiff MS Aquarius hat die Organisation seit Februar 2016 im Mittelmeer über 4.800 Geflüchtete gerettet. Mit ihren Rettungseinsätzen setzt sie ein zivilgesellschaftlich humanitäres Zeichen gegen die todbringende Abschottungspolitik der EU-Regierun­gen. Dieser Politik fielen seit 2010 schon fast 30.000 Menschen zum Opfer.

Der Dokumentarfotograf Kai Wiedenhöfer macht mit seinen Fotozyklen und Bildbänden auf die weltweit seit Jahren wachsende Zahl von in Krisen- und Kriegsgebieten lebenden Menschen aufmerksam. Seine Ausstellungen und zuletzt sein Buch „Confrontier/Borders 1989–2012“ lösten eine öffentliche Diskussion über die Unmenschlichkeit von Ausgrenzungsmauern aus, die der nationalen oder regionalen Abschottung dienen.

Kai Wiedenhöfers fotografisches Werk ist ein Dokument der Grausamkeiten und systematischen Menschenrechtsverletzungen, die durch Mauern, Zäune, Stacheldraht und Absperrungen verursacht werden. Er reist durch viele Länder auf allen Kontinenten und stellt beeindruckende Fotos von Mauern her, die politische Willkür symbolisieren; und er zeigt uns Menschen in Armut und Not, die ansonsten allzu oft aus dem Blickfeld der wohlhabenden Gesellschaften geraten. www.kaiwiedenhoefer.com

Fazit: Mit ihrem herausragenden Engagement lenken die Ausgezeichneten den Blick der Öffentlichkeit auf die oftmals verzweifelte Lage von Geflüchteten, auf die tragischen Folgen der Flucht- und Migrationspolitik der EU und ihrer Mitgliedsstaaten sowie auf die Ursachen von Flucht vor Krieg und Terror, Verfolgung und Not.

Der mutige Einsatz von SOS Méditerranée für die Rettung schiffbrüchiger Geflüchteter im Mittelmeer und die schockierenden Bilder Kai Wiedenhöfers zeugen von deren menschenunwürdigen Situation auf verschiedenen Fluchtrouten und in Krisen- und Kriegsgebieten. Sie zeigen einmal mehr, dass die skandalöse Abschottungspolitik der europäischen Regierungen – auch der deutschen Regierung – täglich Menschenleben fordert. Deshalb ist die Schaffung legaler Fluchtwege nach Europa ein humanitäres Gebot der Stunde. Und der Einsatz für Schiffbrüchige ist eine Verpflichtung der Staaten und der EU. Die Internationale Liga für Menschenrechte fordert die Wiederaufnahme eines Seenotrettungsprogramms, das nicht den Schutz der Grenzen, sondern die Rettung des Lebens der Schiffbrüchigen zum erklärten Ziel hat.

Die Internationale Liga für Menschenrechte verbindet die diesjährigen Auszeichnungen mit einem deutlichen NEIN zu einer EU-Politik, die unter Verstoß gegen die universellen Menschenrechte Fluchtwege nach Europa verplombt hat. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Not fliehen, um ihr Leben zu retten, werden damit wissentlich auf illegale Wege und in die Hände krimineller Schlepper getrieben.

Die Carl-von-Ossietzky-Medaille wird von der Liga seit 1962 mindestens einmal alle zwei Jahre verliehen. Ausgezeichnet werden Personen oder Gruppen, die sich durch Zivilcourage und herausragendes Engagement für die Verwirklichung, Verteidigung und Erweiterung der Menschenrechte und des Friedens verdient gemacht haben. Zuletzt sind der Whistleblower Edward Snowden, die Filmregisseurin Laura Poitras und der Journalist Glenn Greenwald ausgezeichnet worden. Eine vollständige Liste aller Preisträgerinnen und Preisträger kann unter ilmr.de/verleihungen-carl-von-ossietzky-medaille abgerufen werden.

Ansprechpartner:
Dr. Rolf Gössner, Liga-Vorstandsmitglied, email: rolf-goessner@ilmr.de
Dr. Jan Wollmann, fon: ++49+30 396 2122 ; fax: ++49+30 239 44 239 ; email: jan.wollmann@ilmr.de

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