EF | Ein wirklich guter Tipp, wie man mit Rassisten umgehen sollte

Was kann man tun, wenn eine Person eine andere zum Beispiel in der U-Bahn beschimpft? Uditi Sen hat einen wirklich guten Tipp.

Rechte Gewalt nimmt zu

Über 1.000 Attacken auf Asylunterkünfte hat das Bundeskriminalamt für 2015 gezählt, die Anzahl hatte sich damit zum Vorjahr verfünffacht. Der Verfassungsschutzbericht, der Ende Juni vorgestellt wurde, erweitert das Bild der gestiegenen Gewaltbereitschaft mit weiteren Zahlen. Die rechte Szene wachse, heißt es dort, und die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten stieg im vergangenen Jahr auf 1408 (2014: 990). Die Statistik zählt acht versuchte Tötungsdelikte, 2014 war es eines. Im Bericht ist außerdem die Rede von einem „exorbitanten Anstieg rechtsextremistischer Gewalt“ und von „enthemmter Hetze im Internet“.

Doch schon vor der körperlichen Gewalt liegen verbale Angriffe, denen täglich viele Menschen in Deutschland ausgesetzt sind, weil andere ihnen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion Hass entgegenbringen. Wie kann man Menschen, die rassistisch angegriffen werden, am besten unterstützen?

Zu diesem Thema hat die junge Wissenschaftlerin Uditi Sen kürzlich einen Facebook-Post geschrieben, der viral ging. Die Assistenzprofessorin für Südostasienstudien und Geschichte, die am Hampshire College unterrichtet und selbst aus Indien stammt, betont: „Spreche niemals den Täter an. Er (und es ist in den meisten Fällen ein er) ist auf Konfrontation aus.“

Beginne ein Gespräch mit dem Opfer

Sie erklärt dann, wie man der betroffenen Person am besten helfen könne: In dem man sich ganz ihr zuwende. Uditi sagt: „Spricht mit der Person, die gerade Gewalt erfährt. Sag hallo. Stell dich vor und gib ihr die Hand. Und sei einfach da. Unterhalte dich mit ihr, über irgendetwas, ganz egal. Das Wetter. Den Busfahrplan. Fußball.“

Warum rät sie also davon ab, den Täter direkt zu konfrontieren? Uditi Sen sagt dazu, dass verbale Gewalt und rassistisches Bullying nicht funktioniere, wenn mehrere Menschen sich unterhalten würden. Die Opfer seien in der Regel allein, eventuell eine Mutter mit Kind oder maximal zwei Frauen. Als Gruppe könne man betroffene Personen effektiv schützen, daher sei ihr Tipp, mit den Personen selbst und um sie herum eine Gruppe zu bilden.

„Sag ihnen nicht, dass sie nicht allein seien. Lass sie nicht alleine sein.“
Uditi erzählt von ihrer Erfahrung, als sie einmal Zeugin davon wurde, wie eine junge Frau mit Hijab von einem Mann als Terroristin beschimpft wurde. „Ich habe mich einfach neben sie gesetzt und ein Gespräch angefangen. Nach einer Weile, hat der Typ, der sie zuvor belästigte, das Interesse verloren. Und ich hatte ein schönes Gespräch mit einer Studentin aus Qatar. Es hat ihr geholfen, sich sicher zu fühlen, und meinen Horizont erweitert.“

Also: Zivilcourage erfordert nicht, dass ihr einen Rassisten anschreit, ihn beschimpft und laut werdet. Diese Aufmerksamkeit sollten sie erst gar nicht bekommen. Unterstützt besser die, die gerade angegriffen werden. Unsere Solidarität und Aufmerksamkeit sollte bei ihnen liegen.

https://editionf.com/umgang-mit-rassisten

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