Via Fluchtliste … Diese Mail wurde formuliert von einem 17jährigen Schüler des Gymnasiums Munster. Ich unterstütze seine Bitte um Schutz und appelliere an meine Leser, ähnlich zu handeln:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

dies ist einer der letzten Hilfeschreie einer Familie in Not. Ich werde Ihnen gleich unsere Geschichte erzählen.

Mein Name ist Filip Debalovski, ich bin 17 Jahre alt und ich lebe mit meiner Familie seit Dezember 2014 in Deutschland. Meine Mutter heißt Stana Dimovska, meine Schwester Keti Dimovska und mein Stiefvater, Miodrag Lazic. Wir haben alles gegeben, um uns hier zu integrieren, selbständig zu werden und hierbleiben zu dürfen. Durch Bemühungen, Widmung und harter Arbeit haben wir uns ein Leben mit vielen engen Bindungen erschafft. Am Anfang hatten wir nur uns selbst und ein Samenkorn, das sich jetzt einen aufgeblühten Garten verwandelt hat, wo man mit Freunden samstags grillen kann. Als kleiner Junge wurde mir gesagt, dass die Deutschen ganz fleißige, kirchliche und familiäre Menschen sind. Wenn ich das bedenke, dann könnte es bei uns wohl kaum noch deutscher werden.

Trotzdem wurden die Härtefallanträge meiner Mutter und Schwester nicht zur Bearbeitung zugelassen. Der Grund dafür ist, dass wir noch nicht 18 Monaten in Deutschland waren, scheint wichtiger und ausschlaggebend zu sein. Doch ist es nicht noch erstaunlicher, dass wir sogar in kürzerer Zeit auf dieses Niveau gekommen sind? Oder ist meine Logik irgendwie falsch? Wie die Ergebnisse des Falls meines Stiefvaters und meinem eigenen Fall ausfallen werden, wissen wir noch nicht, aber wir vermuten nichts Gutes und sind tief besorgt.

Dies ist die Geschichte, weswegen wir gekommen sind:

Es fing alles im Sommer 2014 an. Ich hatte Ferien und wir sind nach Mazedonien gereist, um alle unsere Verwandte und Freunde zu besuchen (im Jahr davor waren wir nach Serbien zu meinem Stiefvater umgezogen). Da bekam mein Stiefvater durch meine Schwester eine „Begrüßung“ von „alten Freunden“. Es waren Mitglieder der albanischen Mafia (in unserem Dorf leben größtenteils Albaner, die Minderheit besteht aus Mazedoniern und anderen Nationalitäten). Mein Stiefvater hatte mit ihnen Probleme, als er noch in Kosovo wohnte. Es war ein Streit wegen eines Grundstücks. Wir sind dann sofort nach Serbien gereist. Damals wusste ich noch nichts, meine Familie sagte mir nur, dass wir weg müssten. Leider waren ihre Finger lang genug, um uns weiter zu verfolgen. Wir durften unser Haus kaum mehr verlassen und wenn wir irgendwo hin mussten, durfte niemand allein gehen. Während der Schule war ich immer bis zur Bushaltestelle von meinem Stiefvater begleitet und von dort dann abgeholt worden. Ein paar Wochen gab es nur Drohungen über die Handys. Später aber eskalierte die Geschichte: An einem Tag bekam ich während der schulischen Frühstückspause „einen Gruß“ an meinen Stiefvater; am gleichen Tag bekam meine Mutter Zuhause fürchterliche Drohungen. Sie würden meine Schwester entführen, sie vergewaltigen und töten. Sie würden mich vor den Augen meiner Eltern töten. Es war plötzlich eine Frage um Leben und Tod. Die Polizei konnte uns nicht schützen.

Mein Stiefvater wusste, dass diese Leute mehr als bereit sind, ihre Drohungen zu erfüllen. Er war einer der letzten Christen, die in Vitina, Kosovo geblieben waren. Er hatte selbst erlebt zu was sie bereit sind, aber auch gespürt. Er wurde bereits einmal in Smederevo, Serbien von der Mafia gefunden und fast totgeschlagen. Er endete im Krankenhaus und überlebte. Dagegen wurde nichts unternommen. Mein Stiefvater änderte dann die Stadt, zog nach Bor um, wo wir vor der Ausreise wohnten und wieder nicht mehr sicher waren.

Der erste Ausweg war ein Bekannter von einem Bekannten, der nach Schweden fahren sollte. Wir haben ihn kontaktiert und sind möglichst schnell geflohen. Wir beantragten dort Asyl. Als wir dort nach drei Monaten abgelehnt worden waren und wir weiter kämpfen wollten, wurde uns von unserem Anwalt geraten, dass es in Deutschland mehr Verständnis für solche Fälle gibt und das wir hier bessere Chancen haben. So sind wir hier am 18. Dezember 2014 in Dortmund angekommen. Wir waren bis Ende April in verschiedenen Flüchtlingslagern, dann bekamen wir eine Wohnung in 29633 Munster in Niedersachsen. Ab diesem Zeitpunkt fingen wir an und sehr zu bemühen, um uns vollständig zu integrieren. Wir schöpften große Hoffnung.

Als wir hier angekommen waren, fingen wir sofort an, uns zu integrieren. Wir hatten schon vorher Deutschkurse in dem Flüchtlingslager in Friedland besucht, aber hier ging es richtig los. Wir hatten nach vier Monaten endlich die Möglichkeit, das zu machen, wofür hier hergekommen sind – sicher und in Ruhe zu leben. Schon am nächsten Tag, nachdem wir in der Wohnung eingezogen waren, sind wir zu den freiwilligen Deutschkurs in der Stadt gegangen. Dort haben wir hilfsbereite Menschen gefunden, die für mich gleich am nächsten Tag ein Treffen mit der Schulleiterin des Gymnasiums vereinbarten. Ich konnte mit meinem Englisch, sowie mit meinen Zeugnissen (bei jedem ausländischen Zeugnis ist der Durchschnitt 1.00) und Diplomen (erster Platz bei Feuerwehr Theorie, zweiter Platz Englisch, dritter Platz Chemie auf nationaler Ebene in Mazedonien) die Schulleiterin beeindrucken und mir wurde erlaubt, als Gastschüler im Gymnasium Munster teilzunehmen. Diese Chance habe ich vollständig ergriffen und genutzt. Trotzdem ich fast keine Deutschkenntnisse hatte, gelang es mir ein Paar Einsen zu schreiben, die zehnte Klasse zu bestehen und mir einen Platz in der Oberstufe zu sichern. Ich lernte eifrig, ohne Pause, jeden Tag der Woche ohne mir Freizeit zu genehmigen. Meine Familie hat sich inzwischen immens engagiert. Sie nutzten jede Chance die sie bekommen haben, um sich in der Gesellschaft zu integrieren. Sie gehen zu jedem Flüchtlingstreffen in die Kirche (zu Beginn mit mir, die Implementierung des Gelernten und die Quälerei mit jemandem zu sprechen war mir ganz wichtig), sowie zu mehreren verschiedenen freiwilligen Deutschkursen. Kurzum, wir nutzten jede Möglichkeit, die wir hatten, um Deutsch zu lernen. Wir haben aber nicht nur Deutschkurse besucht, wir sind auch alle ehrenamtlich so oft wie möglich tätig gewesen und sind es heute noch. Meine Mutter half und hilft immer gerne in der Kirche, besonders bei den Veranstaltungen wird sie enorm wegen ihres leckeren Essens gelobt. Auch mein Stiefvater erklärte sich immer bereit zu helfen. Er hat zahllose Male sein handwerkliches Geschick für Reparaturen und Montagen in Flüchtlingsunterkünften eingesetzt und unterstützt jederzeit und jeden bei Transportaufgaben. Meine Schwester und ich haben bei vielen Veranstaltungen ehrenamtlich geholfen und unterstützt, ein Projekt davon wäre die „Spielbaustelle“ – ein pädagogisch hochwertiges, sozialintegratives Angebot.

Als die Deutschkenntnisse langsam ausreichten, sind wir tiefer in der Gesellschaft aufgenommen worden. Ich bin seit dem in einem Sportverein aktiv und meine Familie fing mit Praktika an. Somit waren wir mehrfach nah an der Möglichkeit selbständiger oder gar vollständig selbständig zu sein. Aktuell geht meine Familie zu dem ersten staatlich finanzierten und organisierten Deutschkurs, ansonsten haben wir alles auf eigene Faust unternommen. Meine Schwester und meine Mutter haben einen sicheren Arbeits- und Ausbildungsplatz gefunden und ich habe dieses Halbjahr das beste Zeugnis in der 11. Klasse.

Für unsere gesamte Geschichte und vieles mehr (Integration, Stellungnahme von Freunden) finden Sie fotografierte Unterlagen im Anhang.

Leider erlaubt der Staat meiner Mutter und Schwester momentan nicht, das zu machen, was jedem Flüchtling gesagt wird, dass er machen soll – der deutschen Gesellschaft zu dienen. Auf der anderen Seite, will der Staat mir nicht mehr das erlauben, was jeder ausgezeichneter Schüler machen sollte – sich auszubilden zu lassen.

Wir haben hier eine große Zahl von Freundschaften und ein sicheres Zuhause gefunden. Es fühlt sich längst nicht mehr so an, als ob wir in unser Ursprungsland zurückgeschickt werden sollen, sondern als ob uns jemand von unserem Zuhause trennen wollte. Wie würden Sie sich fühlen und was würden Sie machen, wenn Sie jemand von den Personen, die Sie lieben und von denen Sie geliebt werden trennen will? Wenn jemand Ihr Zuhause nehmen will?

Meine Familie und ich bitten Sie von ganzem Herzen, sich in unserer Lage reinzuversetzen und uns jede mögliche Art Ihrer Hilfe zu geben.
Freunde unserer Familie wollten eine online Petition starten, vielleicht wird sie noch morgen online bei change.org sein, wir bitten Sie, uns auch dabei zu helfen.

Wir brauchen Ihre Hilfe, um unser Zuhause zu verteidigen. Wir brauchen ihre Hilfe, um Sicherheit zu haben. Wir bitten Sie, unsere Geschichte ein bisschen genauer zu prüfen, uns nicht der Lebensgefahr auszusetzen, die kein Mensch verdient. Wir sind jetzt hier zuhause und sobald wir die Erlaubnis erhalten, sehr gut in der Lage, uns selbst zu versorgen und wollen eigentlich nur wertvolle Mitglieder der deutschen Gesellschaft sein.

Liebe und freundliche Grüße,

Filip Debalovski

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