ICOON for refugees: Bildwörterbuch als Kommunikationshilfe für Flüchtlinge

Wer bist du und was machst du?

Ich arbeite als Designerin und Buchautorin. Zuvor habe ich Sprachwissenschaften in Warschau und Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin studiert. Ich bekam 1995 ein Stipendium nach Berlin und habe mich in die Stadt verliebt, mittlerweile lebe ich 20 Jahre hier.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

2007 ist aus meiner Reiseleidenschaft die Idee entstanden, ein kleines, praktisches und gut designtes Bildwörterbuch zu gestalten, mit dem man sich in der ganzen Welt verständigen kann. Die Idee hinter ICOON ist ganz simpel: Man zeigt auf eines der 2000 Symbole und Fotos, wenn einem die Worte fehlen. Bildsprache ist eine der ältesten und verständlichsten Sprachen und das Büchlein hat sich mittlerweile in der ganzen Welt bewährt. In den letzten Monaten hatte ich viele Anfragen nach ICOON von Flüchtlingshelfern und Hilfsorganisationen, die mit den Geflüchteten zu kommunizieren versuchen. Ich habe viele Bücher bereits umsonst verteilt, komme aber bei der hohen Nachfrage mit meinem kleinen Verlag an Grenzen. Weiterhin würde ein speziell auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge abgestimmtes Buch effizienter helfen. So ist die Idee entstanden ICOON for refugees zu entwickeln. Dabei helfen mir auch Hilfsorganisationen mit ihrem speziellen Expertenwissen.



Warum ist es dir wichtig, das Projekt zu realisieren?

Ich möchte als Linguistin und Designerin einen kleinen Beitrag zur besseren Verständigung leisten. Die Integration beginnt ja mit der Sprache. Die Geflüchteten fliehen vor Hunger, Krieg, Not. Sie haben einen oft sehr langen und beschwerlichen Weg hinter sich und ich möchte deren Alltag etwas erleichtern, wenn sie in einer fremden Stadt auf sich gestellt sind, keine Dolmetscher zur Seite haben und verschiedene Alltagsschwierigkeiten, wie z.B. die Suche nach einem Supermarkt oder Beschwerden beim Arzt, nicht kommunizieren können. Auch die Flüchtlingshelfer möchte ich bei deren schwerer Arbeit unterstützen. Es ist wichtig, dass diese genau erkennen können, welche Hilfsmaßnahmen gebraucht werden.

Welche Erfahrungen hast du durch das Crowdfunding gesammelt?

Das Projekt ist für mich sehr wichtig, aber auch extrem herausfordernd. Das Thema polarisiert, ist sehr sensibel und man muss vorsichtig sein, wie man Menschen anspricht in einer Situation, die sich immer wieder verschärft. Eine gut gemeinte Aktion kann ja schnell missverstanden werden, vor allem wenn das Geld anfängt eine Rolle zu spielen. Deshalb war es vor allem wichtig, so transparent wie nur möglich zu sein. Anfangs wollten wir das originale Buch umgestalten und produzieren. Das wäre aber sehr teuer geworden und wir könnten letztendlich doch weniger Bücher herstellen als nötig gewesen wäre. Wir haben das ganze Projekt nun neu definiert und kalkuliert: Von jedem Euro wird eine Basic-Buchausführung mit 1.000 Symbolen inklusive einer App für Android kostenlos zur Verfügung gestellt. 10 Tsd. Euro ergeben 10 Tausend Bücher. Das ist unser Ziel. Und wenn wir über das Ziel hinausgehen, umso besser! Von jedem zusätzlichen Euro kann ein neues Buch gedruckt und verschickt werden.

Mit wem würdest du gern zusammen arbeiten?

Wir hoffen nicht nur auf Unterstützung von Privatpersonen, sondern auch von Unternehmen. Jeder kann einen Beitrag leisten. Längerfristig wollen wir Unterstützer aus der Wirtschaft und Politik gewinnen, damit wir auch in Zukunft eine weitreichende und kostenfreie Verfügbarkeit ermöglichen können.

Vielen Dank für das Interview.

Hier geht’s zum Projekt.

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